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Malteser Kliniken Rhein-Ruhr

„Das waren wilde Zeiten“

30.11.2018

Das Malteser Krankenhaus in Uerdingen hat die älteste im St. Josefshospital geborene Person gesucht – und gefunden: Maria Gertrud Moritz erblickte im August 1924 das Licht der Welt. Heute lebt die 94-jährige in einem Seniorenheim in Traar.

Krefeld. Maria Gertrud Moritz ist eine waschechte Uerdingerin. Genau wie ihre drei älteren Geschwister wurde sie im Uerdinger Krankenhaus geboren. Und zwar am 22. August 1924. „Wir haben damals am Rheintor 3 gewohnt. Dort hat mein Vater eine Wirtschaft und eine Brennerei betrieben. Und der Arzt Dr. Friedrich aus dem Krankenhaus hat direkt gegenüber gewohnt“, berichtet die Rentnerin. Die 94-jährige wusste gar nicht, dass das St. Josefshospital die älteste dort geborene Person sucht. „Meine Nichte aus München hat durch einen befreundeten Zahnarzt von dem Zeitungsartikel erfahren. Und dann habe ich mitgemacht.“ Als kleine Anerkennung gab es vom St. Josefshospital einen Geschenkkorb für die Rentnerin, die seit Frühjahr 2015 im Seniorenheim Maria Schutz lebt. „Hier sind viele Freunde aus Traar und man ist eine große Familie mit vielen schönen Aktionen. Selbst meine Schulfreundin wohnt jetzt nebenan.“

                                    „Am besten man geht allem und allen entgegen“

Als „Mia“ Moritz 18 Monate alt war, starb ihre Mutter. Auf einer Zugfahrt lernte ihr Vater ihre Stiefmutter kennen. Ihre Tante war in Uerdingen ebenfalls fest verwurzelt und betrieb das Schokoladengeschäft „Reichert“ am Uerdinger Marktplatz. Im Alter von 8 Jahren zog sie dann mit ihrer Familie nach Traar. Nach dem Tod des Vaters betrieb sie zusammen mit ihrer Stiefmutter eine Heißmangel. Mit ihrem Mann hat sie nach dem Krieg eine Firma für Elektroindustrie gegründet. „Da haben wir geholfen viele Firmen wiederaufzubauen. Das waren wilde aber auch schöne Zeiten“, denkt Maria Moritz lächelnd zurück. In den 50er Jahren wurde auch ihr Sohn im St. Josefshospital geboren. Doch Freud und Leid lagen oft eng beieinander. „Mein Mann starb 1971. Das waren harte Zeiten für mich, weil ich die Firma mit 12 Angestellten weiterführen musste. Für mich als Frau war das eine echte Herausforderung, weil man nicht immer fair behandelt wurde.“ Neben Handarbeiten gehörte auch das Kegeln zu ihrer großen Leidenschaft. „Ich habe in Traar den Kegelclub „Die weißen Lämmer“ gegründet. Den hat es immerhin 60 Jahre gegeben“, erzählt sie. Seit 2015 wohnt Moritz im Seniorenheim Maria Schutz in Traar. „Als ich meinen Sohn, der in München wohnt, erzählt habe, dass ich ins Heim ziehe, hat er gesagt „Endlich wirst du vernünftig.“ Trotz einiger Stürze in den letzten Monaten ist die 94-jährige immer optimistisch: „Am besten geht man allem und allen entgegen, statt sich dem Leid zu ergeben. So rappele ich mich immer wieder auf.“