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Malteser Kliniken Rhein-Ruhr

Bestrahlungstherapie im Darmzentrum

Enddarmkrebs schon vor der Operation bestrahlen

Präoperative Strahlentherapie verringert Rückfallrate auch bei optimaler Operation.

Werden Patienten mit fortgeschrittenem Enddarmkrebs vor der Operation bestrahlt, so verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor nach einigen Jahren zurückkehrt. Dies gilt auch - und sogar in besonderem Maße - bei einer optimalen Operation. Darauf legen wir im interdisziplinären Darmzentrum des Malteser St. Franziskus-Hospital größten Wert. Die Strahlentherapie am Linearbeschleuniger ist deshalb ein fester Bestandteil der Behandlung aller Betroffenen.

Bei Endddarmkrebs ist die Operation das wichtigste Therapieverfahren. Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien erhalten bei uns im Darmzentrum zusätzlich eine präoperative Radiochemotherapie. Der chirurgische Eingriff wurde in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Heute gilt die "totale mesorektale Exzision" (TME) als optimale Operationsmethode. Das Verfahren verringert nicht nur die Rückfallrate erheblich, sondern schont auch die Nerven, die für die Blasen- und Sexualfunktion verantwortlich sind. Früher blieb jedoch unklar, ob optimal operierte Patienten generell eine Strahlentherapie erhalten sollen, sich bei einer TME ganz darauf verzichten lässt oder ob sie nur zur Anwendung kommen sollte, wenn sich noch Tumorzellen im Randbereich des entfernten Darmabschnitts finden.

Den Daten einer Studie von 2009 und entsprechenden Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) folgend  empfehlen wir heute jedoch allen Patienten mit fortgeschrittenem Enddarmkrebs eine Strahlentherapie, am besten bereits vor der Operation. Dies gilt auch dann, wenn eine optimale Operation in Form einer TME durchgeführt wird. Das internationale Forscherteam bezog 1350 Patienten an 80 Zentren - überwiegend in Großbritannien und Kanada - in die Vergleichsstudie ein. Die Hälfte der Patienten erhielt eine früher übliche Behandlung. Das heißt, sie wurden operiert und danach nur dann bestrahlt, wenn das Operationsergebnis nicht zufriedenstellend war. In der anderen Gruppe erhielten alle Patienten bereits vor der Operation eine Strahlentherapie. Diese präoperative Radiotherapie hat die Zahl der Tumorrückfälle im Darm in den ersten drei Jahren deutlich gesenkt - von 10,6 Prozent auf 4,4 Prozent, und dieser positive Effekt wurde auch bei jenen Patienten beobachtet, bei denen die Chirurgen ein optimales Ergebnis erzielten. Zu den besten Therapieergebnissen führte die Kombination von Bestrahlung und optimaler Operation.

Die präoperative Radiotherapie ist folglich genauso wichtig wie eine optimale Operation, und bei den meisten Patienten wird eine zusätzliche Chemotherapie die Ergebnisse noch weiter verbessern. Wir praktizieren daher im Darmzentrum eine enge Zusammenarbeit von Experten aus Chirurgie, Onkologie und Strahlentherapie. Für die Strahlentherapie spricht auch, dass uns in Flensburg an drei Linearbeschleunigern die modernsten technischen Möglichkeiten (IMRT, IGRT) für eine besonders gut verträgliche und schonende Bestrahlung zur Verfügung stehen. Mit diesen Geräten können wir die Strahlen mit höchster Präzision auf die Tumorregion richten und Schäden an der Blase oder auch Potenzstörungen weitestgehend vermeiden.